Los 2 in den Startlöchern

Die Gebäudehülle ist fertig, das Dach geschlossen. Es geht sichtbar voran am Neubau des Wasserwerks Prießnitz (Stadt Frohburg). Wie Michael Mönicke informiert, ist in der vergangenen Woche der Estrich in der Maschinenhalle ausgebracht worden, jetzt wird gefliest. Mönicke ist Projektleiter bei der OEWA Wasser und Abwasser GmbH in Grimma. Er betreut das Vorhaben, mit dem Versorgungsverband Grimma-Geithain (VVGG) künftig die Versorgungssicherheit seiner Kunden weiter erhöhen will.

Der VVGG hatte mit seiner Trinkwasserkonzeption im September 2014 entschieden, ein neues Wasserwerk in Prießnitz zu bauen. Von hier aus werden vor allem die Kunden in der Region Frohburg, Bad Lausick und Geithain mit Trinkwasser versorgt. Für Lutz Kunath, den Geschäftsführer des VVGG, wird das neue Wasserwerk eine maßgeblich Rolle im Verbundsystem aller Wasserwerke einnehmen – neben dem Wasserwerk in Grimma. Durch einen Ringschluss könne man die Trinkwassereinspeisung flexibel gestalten. Etwa im Hochwasserfall oder auch bei extremer Hitze und Trockenheit, wie sie im Sommer dieses Jahres über viele Monate vorherrschten.

Der Neubau entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Prießnitzer Wasserwerk, das weiter in Betrieb bleibt – so lange, bis die neue Anlage fertig gebaut ist und ihrer Bestimmung übergeben wurde. Während die Firma im Los 1 mit ihren Arbeiten in den letzten Zügen liegt, kündigt sich Los 2 an. Vermutlich ab Ende November/Anfang Dezember. Wie Michael Mönicke weiß, widmet man sich damit der Verfahrenstechnik, also der technischen Ausstattung der Anlage.

Die beiden Reinwasserbehälter hinter dem Gebäude stehen bereits. Sie verfügen über ein Fassungsvermögen von jeweils 300 Kubikmeter und wurden an Ort und Stelle zusammengeschweißt. Aus diesen Behältern gelangt das fertig aufbereitete Trinkwasser ins Versorgungsnetz und damit zum Kunden. Das geförderte Rohwasser wird über insgesamt vier Filter in der großen Maschinenhalle aufbereitet, ihm wird Eisen und Mangan entzogen, es muss belüftet werden.

Es ist geplant, den Bau und die technische Ausstattung bis zum Frühjahr abzuschließen. Dann beginnt nach Aussage von Projektleiter Mönicke eine intensive, mehrmonatige Phase der Inbetriebnahme. „Bevor eine komplett neue Anlage dieser Größenordnung reibungslos funktioniert und hier ein qualitativ einwandfreies Lebensmittel aufbereitet werden kann, ist einiges zu tun. Alle Prozesse müssen eng miteinander verzahnt werden“, erläutert er.

Der rund fünf Millionen Euro teure Neubau des Wasserwerks Prießnitz soll voraussichtlich Ende 2019 ans Netz gehen. Der symbolische erste Spatenstich erfolgte am 30. Juni 2017, Richtfest wurde am 31. Mai 2018 gefeiert. Bis Mitte 2020 steht der Abriss im Plan.

Die Projektpartner

Die Kommunale Wasserwerke Grimma-Geithain GmbH (KWW), die mehrheitlich vom VVGG geführte Kooperationsgesellschaft mit der OEWA, investiert rund fünf Millionen Euro in dieses Vorhaben. Die Projektsteuerung und Bauüberwachung obliegt der OEWA Wasser und Abwasser GmbH mit ihrer Niederlassung in Grimma. Das Unternehmen ist Betriebsführer des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain. Planungsbüro ist die Firma PROWA Ingenieure Dresden.

Wichtige Fakten

Die Investitionsmaßnahme zum Neubau des Wasserwerks Prießnitz ist in sechs Baulose eingeteilt.

LOS 1 Gebäudetechnik:  WBB Bau und Beton GmbH (Umpferstedt)

LOS 2 Verfahrenstechnische Ausrüstung:  KOPF Umwelt- und Energietechnik GmbH (Riesa)

LOS 3 EMSR Technik: Ingenieure für Automatisierung GmbH & Co. KG (Cottbus)

LOS 4 Verkehrsanlagen:  A. Frauenrath Bauunternehmen GmbH (Heinsberg)

LOS 5 Abriss Altwerk: A. Frauenrath Recycling GmbH (Heinsberg)

LOS 6 Landschaftspflegerische Maßnahmen: MAIK RÜBNER Garten- und Landschaftsbau e. K. (Leipzig)

Abmessungen des neuen Wasserwerks: L= 34 Meter B =12 Meter H = 11 Meter

Die Aufbereitungskapazität des neuen Wasserwerks liegt laut wasserrechtlicher Genehmigung bei bis zu 230 Kubikmeter pro Stunde, maximal 5 500 Kubikmeter am Tag; das entspricht rund 40 000 Badewannen mit einem Fassungsvermögen von circa 140 Litern Wasser.  

 

Im Durchschnitt werden pro Stunde 130 Kubikmeter Rohwasser zu Trinkwasser aufbereitet. Die Kapazität der neuen Anlage ist damit größer als die der alten, weil nach deren Fertigstellung auch das Wasserwerk Frohburg außer Betrieb gehen wird. Das Rohwasser kommt aus den Wasserfassungen Prießnitz, Nenkersdorf und Frohburg.