Industrietaucher im Belebungsbecken

Eigentlich eine Banalität – und doch ein Auftrag für ausgewiesene Spezialisten. Für top ausgebildete
Industrietaucher. Sie wurden dieser Tage auf der Kläranlage Schönebeck gebraucht. Mike Dragon,
Gruppenleiter bei der OEWA Wasser und Abwasser GmbH, weiß mehr darüber: „Im Belebungsbecken, wo das Schlamm-Wasser-Gemisch mit den Bakterien ständig in Bewegung gehalten werden muss, hatte sich die Seilverbindung zum Rührwerk gelöst.“

Das Rührwerk befindet sich circa anderthalb Meter über dem Beckenboden. Durch ein Seil ist es mit der sogenannten Räumerbrücke über dem Becken verbunden. „Normalerweise“, betont Dragon, „bleibt das Rührwerk im Wasser.“ Es sei denn, es ist zum Beispiel eine Störung aufgetreten, oder es muss gewartet werden. In dem Fall wird es über die Seilwinde aus dem Becken hinauf befördert.

Und dieses Seil ist lediglich über eine winzige Öse an dem Rührwerk – von denen es im Belebungsbecken insgesamt drei gibt – befestigt. „Wenn man gar nichts sieht“, schildert Dragon, „ist es nahezu aussichtslos, diese Verbindung wieder herzustellen und das Seil einzufädeln.“ Deshalb brauchte man für den Einsatz im sechs Meter tiefen Belebungsbecken mit einem Fassungsvermögen von 6 500 Kubikmetern auch die Spezialisten.

Der Tauchbetrieb aus der Nähe von Hamburg schickt seine Mitarbeiter überall dorthin, wo Unternehmen Industrietaucher benötigen. „Was unsere Leute leisten, ist überhaupt nicht mit dem Tauchsport als Hobby zu vergleichen“, betont Katharina Richter, die Juniorchefin des Tauchbetriebes. Das seien „zwei komplett verschiedene Welten“, sagt sie. „Unsere Leute sind besonders ausgebildet und geschult, ihre Arbeit kann gefährlich werden; oftmals sehen sie unter Wasser überhaupt nichts, sie bewegen sich komplett im Dunkeln und verlassen sich allein auf ihren Tastsinn, um sich zu orientieren – und auf ihr Können natürlich.“

Wie jüngst auf der Kläranlage in Schönebeck, die die OEWA im Auftrag der Stadt betreibt. Hier waren die Männer aus der Nähe von Hamburg nicht zum ersten Mal. Sie sind schon des Öfteren in den Faulturm gestiegen, weiß Mike Dragon. Die 15,25 Meter hohe Anlage verfügt über ein Fassungsvermögen von über 2 000 Kubikmetern. Der Durchmesser des Faulturms liegt bei 16,95 Metern. Aufgrund des Gärungsprozesses herrschen in seinem Inneren Temperaturen von über 40 °C und extrem schwierige Bedingungen für die Industrietaucher.

Im Frühjahr 2017 beschränkte sich ihr Einsatz auf das Belebungsbecken. Bereits nach anderthalb Stunden war die Arbeit für die Industrietaucher aus der Nähe von Hamburg erledigt.