Ein Leuchtturm für die Phosphorrückgewinnung

Wie das Abwasser in Schönebeck gereinigt wird, wie idyllisch es auf der Kläranlage ist und welche Tier- und Pflanzenvielfalt es hier gibt, entdeckten am Freitag (8. Juni) rund 80 Kinder aus den dritten und vierten Klassen der Schönebecker Grundschulen sowie aus Elbenau. Sie staunten über das klare Wasser am Ablauf der Kläranlage und die Fische, die sogar darin schwammen. Denn am Zulauf der Kläranlage hatte das Abwasser noch ganz schön gestunken und war tiefgrau. „Es gehört eine Menge dazu, bis das Abwasser so klar wird und den Anforderungen an gereinigtem Abwasser entspricht. Zwischen zwei bis fünf Tage dauert der gesamte Reinigungsprozess“, erklärt Mike Dragon, Gruppenleiter der OEWA Wasser und Abwasser GmbH. Dragon und seine Kollegen führten die Schüler über die Kläranlage und erklärten die verschiedenen Reinigungsschritte der Kläranlage.

In den vergangenen zwei Jahren wurde die Anlage so eingestellt, dass sie sich inzwischen sogar selbst mit Strom versorgen kann. Dafür wird der Klärschlamm im Faulturm zusammen mit energiehaltigen Abfällen, wie zum Beispiel Fett aus der Gastronomie vergärt. „Das dabei entstehende energiehaltige Klärgas dient anschließend als Brennstoff für das Blockheizkraftwerk, in dem Strom und Wärme erzeugt werden“, sagt Mike Dragon. Auf diesem Wege werden natürliche Ressourcen geschont und das Klärgas sinnvoll genutzt. Doch die Schönebecker Kläranlage sei nicht nur ein grünes Kraftwerk, sondern auch ein wichtiger Rohstofflieferant. Bald schon könne die ganz Welt der Abwasserentsorger auf Schönebeck blicken. Denn die OEWA, die die Schönebecker Kläranlage im Auftrag der Stadt Schönebeck/Elbe betreibt, hat ein innovatives Verfahren entwickelt, mit dem Phosphor kostengünstig direkt aus dem Abwasser zurückgewonnen werden kann.

Derzeit führt das Tochterunternehmen des weltweiten Umweltdienstleisters Veolia einen Pilottest auf der Schönebecker Kläranlage durch. Ab 2019 soll die Anlage so angepasst werden, dass künftig bis zu 70 Prozent von dem lebenswichtigen Nährstoff Phosphor extrahiert und der Landwirtschaft als Dünger angeboten werden können. Damit wäre die Schönebecker Kläranlage die erste weltweit, in der Phosphor in großer Menge aus dem Abwasserstrom zurückgewonnen wird. „Wir machen die Kläranlage damit nicht nur zum Ressourcengewinner sondern bleiben auch unabhängig in Sachen Klärschlammverwertung“, sagt OEWA-Niederlassungsleiter Sebastian Lösch. Die im letzten Jahr in Kraft getretene Klärschlammverordnung schreibe vor, phosphorhaltige Klärschlämme künftig nur noch in Monoverbrennungsanlagen zu verbrennen und den Phosphor anschließend aus den Aschen zurückzugewinnen. „Solche Anlagen gibt es bisher in Mitteldeutschland nicht“, sagt Sebastian Lösch. „Indem wir den Phosphor schon aus dem Abwasser zurückgewinnen, können wir künftig den Klärschlamm kostengünstig mitverbrennen, zum Beispiel in Zementwerken in der Region. Die nicht unerheblichen Kosten für den Transport des Klärschlamms zu den weit entfernten Monoverbrennungsanlagen können wir damit sparen“. Eine Nachricht, die Oberbürgermeister Bert Knoblauch sehr freute. Er nutzte den Umwelttag ebenfalls, um einen Blick auf die Kläranlage zu werfen und sich die Pilotanlage für die Phosphorrückgewinnung anzuschauen.