Die Toilette ist KEIN Mülleimer

Die Einsätze häufen sich. „Wir müssen mehrmals die Woche Störungen beseitigen, was jedes Mal mit einem enormen Aufwand verbunden ist – personell, technisch und am Ende auch finanziell. Besonders ärgerlich ist, dass ein Großteil dieser Störungen absolut vermeidbar wäre“, betont Ralf Thormählen, Gruppenleiter Abwasser bei der OEWA Storkow GmbH.

Lappen, Stoffreste, Wischtücher, sogar Schnüre und Seile finden Thormählen und seine Kollegen in den Abwasserpumpwerken. Besonders häufig betroffen: das Hauptpumpwerk in Reichenwalde und das Pumpwerk in Neu Golm. „An beiden Anlagen haben wir akute Probleme“, schildert Thormählen. Das, was unrechtmäßig und wohl auch aus Gründen der Bequemlichkeit einfach über die Toilettenspülung entsorgt wird, kommt hier zum Vorschein – und sorgt dafür, dass die Pumpen ausfallen. „Die Pumpen sind ein Sammelbecken für all den Unrat, der gedankenlos weggespült wird. Aber irgendwann kommen die Pumpen an ihre Grenzen; sie sind dann komplett zugesetzt, fallen aus. Wir bekommen eine Störungsmeldung, weil der Abwasserstrom nicht weiter fließen kann“, erklärt der OEWA-Gruppenleiter. „So ergibt ein Problem das nächste. Es ist wie eine Kettenreaktion.“

Um die Pumpen wieder instandzusetzen, braucht es jedes Mal etwa drei Stunden. Thormählen: „Wir müssen die Pumpe ziehen, also nach oben befördern, und sie von all dem Unrat, der sich dort festgesetzt hat, befreien.“ Ein Mann alleine kann und darf das aus Gründen der Arbeitssicherheit nicht. Damit muss der Gruppenleiter jedes Mal auf zwei Leute verzichten, die raus fahren, um oftmals unnötige Störungen zu beheben – ganz gleich, ob während der regulären Arbeitszeit, an Wochenenden, Feiertagen, nachts. Hinzu kommt die Anfahrt. Und: Einmal im Monat müssen die betroffenen Pumpwerke und der Kanal gründlich gereinigt werden, weil die Anlagen sonst nach dem Neustart sofort wieder verstopft wären.

Ralf Thormählen ärgert sich über die zunehmende Unvernunft der Leute – und hat dafür kein Verständnis. „Die Toilette ist kein Mülleimer. Lappen, Stoffreste und Wischtücher haben dort einfach nichts zu suchen.“ Vor allem die immer beliebter werdenden Feuchttücher machen dem Abwasserdienstleister des Wasser- und Abwasserzweckverbandes „Scharmützselsee – Storkow/Mark“ das Leben zunehmend schwer. „Diese Feuchttücher zerreißen nicht. Sie bilden in Kombination mit den Fetten im Abwasserstrom einen festen Zopf oder Klumpen, der sich um die Pumpenräder legt. Irgendwann läuft die Pumpe heiß, wenn sie über einen längeren Zeitraum Schwerstarbeit leisten muss – und fällt aus.“ Dann sind die Mitarbeiter der OEWA Storkow gefragt, die Störung zügig zu beheben, damit die Abwasserentsorgung wieder hergestellt werden kann.

Was die Kunden, so glaubt Ralf Thormählen, nicht bedenken: „Ihr Verhalten, also einfach alles runterzuspülen, was im Haushalt anfällt, sorgt immer häufiger für den Ausfall der Pumpwerke. Irgendwann könnte sich dieser erhöhte Aufwand auch auf die Abwassergebühren auswirken – und dann zahlt jeder Kunde mehr.“